2.1 Wandel der Gesellschaft

Bis in die 1970er Jahre ist in den Lernkonzepten und -philosophien das Ansammeln von Informationen und Wissen ein Kernpunkt. Dies wird deutlich durch das Sprichwort der Anwendung des Nürnberger Trichters oder die Vision des Klassenzimmers 2000 von Jean Marc Cote (1899). Diese Gesellschaftsform wird Informationsgesellschaft genannt.

In dieser Gesellschaft war reines Faktenwissen gefordert sowohl das Bildungssystem als auch die pädagogischen Konzepte und Philosophien waren darauf ausgerichtet. Doch die Menge an lernbaren Informationen wächst seit den 1980er Jahren exponentiell (angeblich verdoppelt sich die weltweit verfügbare Wissensmenge alle ein bis zwei Jahre (SCHMIDT 1999, S. 397, zitiert nach RÖLL 2003)) und durch immer besser ausgebaute Informations- und Kommunikationssysteme (z.B. Wikipedia, Suchmaschinen, Indizierung des Usenets) ist das Wissen auch tatsächlich jederzeit und vor allem für jeden verfügbar. Nach RÖLL sind die ?Ausgangsbedingungen der Wissensgesellschaftsdebatte der strukturelle Wandel unserer Arbeitswelt, die Deregulierung der Finanzmärkte, die grenzenlose Investitionspolitik weltweit operierender Unternehmen und neue Technologien? (RÖLL 2003 S.21).

Der strukturelle Wandel des Arbeitsmarktes zeigt sich deutlich in der prozentualen Verteilung in den drei Sektoren der Arbeit. Waren vor 1900 noch über die Hälfte der Erwerbstätigen im primären Sektor (Landwirtschaft) tätig, sind es heute nur noch sieben Prozent. Aber auch aus dem sekundären Sektor (Agrar- und Industrie) wandern seit den 1960er Jahren immer mehr Anteile zum tertiären Sektor (Dienstleistungen) ab.

Beispiel Dortmund (DÖRRE 2002, S. 8 zitiert nach RÖLL 2003): 70 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten waren 1980 in der gewerblichen Wirtschaft tätig. Bei anhaltendem Trend arbeiten heute 70 Prozent der Beschäftigten in Dienstleistungssektor.

Dieser strukturelle Wandel führt zu einem veränderten Qualifikationsanforderungsprofil für die Arbeitnehmer.? (RÖLL 2003 S.22). Als ein Beispiel prägte sich in den letzten Jahrzehnten der Begriff des lebenslangen Lernen und wird heute schon selbstverständlich verlangt, sogar stillschweigend vorausgesetzt. Es werden statt Aufmerksamkeit, Fleiß und Ordnung sowie ein gutes Gedächtnis nun u.a. Kreativität, Selbstständigkeit, aber vor allem Teamfähigkeit und Flexibilität verlangt. Wenn sich die Anforderungen an die Arbeitnehmer so drastisch ändern ist es nötig auch über neue Möglichkeiten von Lernen und das aktuell umgesetzte Bildungssystem nachzudenken. So konzentrieren sich seit den 1980er Jahren Pädagogen verstärkt darauf neue Lernkonzepte und Lernphilosophien zu entwickeln und versuchen ein Bildungssystem zu entwerfen, dass den neuen Anforderungen gerecht wird. Dazu möchte ich zunächst einen Überblick über verschiedene Lernkonzepte/-philosophien und Lerntypen geben.