2.2.3 Kognitive Lerntheorie

Bei diesen Lerntheorien wird der Lernende als aktiver Part im Lernprozess gesehen. Das Individuum reagiert aktiv auf die äußeren Reize, die aufgenommenen Informationen werden selektiert, interpretiert und verarbeitet. Im Gegensatz zu den behavioristischen und der sozial-kognitiven Lernphilosophien wird die Wahrnehmung als "aktive Konstruktionsleistung der einzelnen Person gesehen" (RÖLL 2003, S. 115).

Alle Informationen werden zunächst mit den bisher gemachten Erfahrungen verglichen und auf Basis dieser interpretiert, um dann weiterverarbeitet zu werden; es werden vorhandene Informationen validiert oder erweitert. Die gespeicherten Erfahrungen in dieser Theorie werden subjektiver verstanden, denn sie basieren immer auf vorher gemachten Erfahrungen und neue Informationen werden nur in Verbindung mit diesen abgespeichert.

Um diesen Ansatz effektiv umzusetzen müsste man lt. RÖLL eine Laborsituation schaffen, um die Informationsdarstellung und die Behaltensleistung miteinander zu korrelieren. Diese Voraussetzung ist aber aufgrund von "fehlenden kognitionspsycholog-ischen Erkenntnissen auf Seiten der Lehrenden und die unterschiedlichen kognitiven Aktivitäten der Lernenden" in den seltensten Fällen gegeben, womit dieser Ansatz in der Praxis des Lehrens und Lernens schwer einsetzbar ist.

Lernen soll diesem Ansatz nach durch verschiedene Lernhilfen verbessert werden. Adaptive Systeme sollen sich besser auf den Lernenden einstellen und Lehrende können erfolgreicher sein, wenn sie ihr Vorgehen an die Vorkenntnisse und den Wissenstand des Lernenden anpassen. Bei computergestützten Systemen wird diese Adaptivität nur geringfügig beachtet, stattdessen wird in letzten Jahren verstärkt auf intelligente tutorielle Systeme gesetzt, die versuchen, sich durch Auswertung von Testfragen auf den Lernenden einzustellen. Allerdings haben solche Systeme oft große Probleme mit Fehlerquellen, die sich technisch noch nicht lösen lassen, wie z.B. korrekt geratene Antworten oder Flüchtigkeitsfehler. So ist es sinnvoll, den Automatismus etwas zu bremsen und den Lernenden das Tempo und den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen zu lassen.

Eine Weiterentwicklung der intelligenten tutoriellen Systeme sind die "Interface-Agenten" oder auch Personal Information Agent (PIA). Diese Systeme "denken" innerhalb bestimmter Grenzen mit und handeln relativ selbstständig. So bieten Fernseh-Suchdienste Informationen zu Sendungen an, die den Interessen des Benutzter entsprechen sollen. Der Benutzter trainiert am Anfang durch Suchanfragen den Suchagenten, der darauf hin immer selbstständiger und genauer die Bedürfnisse des Benutzers kennt. Die Vorteile liegen auf der Hand, denn wer z.B. regelmäßig bei Amazon1 eingekauft hat erhält individuelle Kaufempfehlungen die erstaunlich gut zum eigenen Interessensgebiet passen. Datenschützer verurteilen regelmäßig das Sammeln von privaten Informationen, die teilweise sogar gesetzeswidrig sind2. Aus Protest wird jährlich der Big Brother Award3 an Personen verliehen, die der Privatsphäre schaden.