3.1 Traditionelles Bildungssystem

Das heutige deutsche Bildungssystem ist noch stark darauf ausgerichtet gemäß dem Behaviorismus Wissen zu vermitteln. Dies wird bereits durch die Analyse des Bildungs-weges der zukünftigen Lehrkräfte deutlich. So wird beispielsweise im Grundstudium Informatik (Lehramt)1 von 32 Semesterwochenstunden mit fünf Scheinen lediglich zwei Semesterwochenstunden, ein Schein und ein Praktikumsnachweis auf Didaktik gefordert, der Rest sind informatische Themen. Ähnlich sieht es im Hauptstudium aus, hier ist die Didaktik der letzte und kleinste Bereich des Studiums. Die Lehrer werden dazu ausgebildet, nach der behavioristischen Methode zu unterrichten, obwohl die Wirtschaft schon lange andere Anforderungen an die zukünftigen Arbeitnehmer stellt.

Um international konkurrenzfähige Arbeitnehmer zu erhalten, müsste die Lehrerausbildung umstrukturiert werden. Dazu gehört auch, die fehlende Praxiserfahrung der Lehrkräfte durch Hospitationen und konkreten Austausch zwischen Hochschulen und Software-Firmen auszugleichen. Der im Kapitel "Wandel der Gesellschaft" angesprochene Fachkräftemangel ist hausgemacht und ein Wandel des Bildungssystem ist derzeit nicht in Sicht.

Die Lehrpläne behindern den Lehrer allerdings nicht am Einsatz neuer Lernmethoden. Im Hessischen Lehrplan für Informatik (Gymnasialer Bildungsgang Stufe 11 bis 13) angesehen und wird in Kapitel 2 "Leitlinien" gefordert:

Zur Bewältigung der Fülle von Informationen, die uns mittlerweile weltweit zur Verfügung stehen, ist der kompetente Umgang mit Informatiksystemen erforderlich. Die Schülerinnen und Schüler eignen sich daher Handlungsstrategien und Methoden zum Beschaffen, Strukturieren, Darstellen und Präsentieren von Informationen mit geeigneten Informatiksystemen an [..].

Unter der Leitlinie "informatische Modellierung" werden die Konzepte und Methoden betrachtet, die für die Konstruktion und die Anwendung von Informatiksystemen in realen Sachzusammenhängen relevant sind. Modellbildung ist ein zentrales Element des Problemlösens mit Informatiksystemen. Modellierung bedeutet dabei im Wesentlichen die Abgrenzung eines für den jeweiligen Zweck relevanten Realitätsausschnittes, die Reduktion auf die wichtigen Merkmale unter Vernachlässigung der unwichtigen sowie die Beschreibung und Strukturierung des Modells mit Hilfe geeigneter Diagramme oder Sprachen.

Im Lehrplan werden die zu verwendenden Lernkonzepte nicht erwähnt, so scheint es dem Lehrer freizustehen, sein präferiertes Konzept zu wählen. So sind in Auslegung des Lehrplans keinerlei negativen Konsequenzen zu erwarten, wenn Lehrkräfte sich für die Einführung moderner Konzepte entscheiden. Die Schüler sollen sich z.B. "Handlungsstrategien und Methoden" zur Bewältigung der Informationsfülle aneignen. Welche konkret dies sind und wie sich der Schüler diese aneignen soll ist jedoch nicht vorgegeben, demnach scheint auch dieses dem Lehrer freizustehen.

Somit steht der Anwendung moderner Lernkonzepte bürokratisch nichts im Wege, so können wir die Anwendung des situierten Lernens in der Sekundarstufe II betrachten.