3.2 Situiertes Lernen anwenden

Um ein komplexeres Problem zu bearbeiten, muss eine authentische Situation konstruiert werden, wie ich es in dieser Arbeit tue. Damit nicht jeder Lehrer seine eigene Situation erstellen muss, sollten optimalerweise diese erarbeiteten Situationen samt Material und Hinweisen und ggf. auch Erfahrungen auf einem zentralen Server zur Verfügung gestellt werden, damit sie in allen Schulen wiederverwendet werden können.

In Kapitel "Authentische Situation" wird eine Situation vorgestellt, mit der die Lehrkräfte die Möglichkeit haben, einige Ansätze des Konstruktivismus für die Sekundarstufe II zu verwenden.

Im Lehrplan ist für die Stufe 11 das Thema Internet und die dortige Informationsbeschaffung vorgesehen. So empfehle ich zu Beginn die Methode Cognitive Apprenticeship vor, da der Lehrer in diesem Stadium noch der Experte bei der Internetsuche sein kann. Der Ansatz kann so lang angewendet werden, bis die Schüler ohne größere Hilfestellung Informationen aus dem Internet extrahieren können.

Der Ansatz Cognitive Flexibility kann später in Jahrgangsstufe 12 und 13 eingesetzt werden, wenn genügend Fachwissen angesammelt wurde und die Schüler genug Methodenwissen haben, um selbstständig nach Informationen zu suchen. Außerdem hat der Lehrer im Regelfall hier auch nicht mehr so viel Expertenwissen, um die nötigen Voraussetzungen für Cognitive Apprenticeship (Meister-Lehrling-Verhältnis) mitzubringen.

Vorteile

Hauptvorteil der Anwendung des Situierten Lernens mit den beiden o.g. Methoden ist, dass der Lehrer sich nicht mehr wie bei den behavioristischen Methoden das gesamte zu vermittelnde Wissen selbst aneignen muss, sondern mit sehr geringer Vorbereitung das zu lösende Problem der Klasse schildern und damit den Unterricht beginnen kann. Da er selbst wohl eher selten in praktischen Umgebungen sein Wissen angeeignet hat, kann er oftmals nur auf einen sehr theoretischen, unvollständigen und vor allen nicht selbst konstruierten Wissensstand zurückgreifen. Dieses Problem wird hier mit der zweiten angewendeten Methode umgangen, die allerdings voraussetzt, dass in Stufe 11 die Basis dafür gelegt wurde. So kann der Lehrer sich ganz darauf konzentrieren, die Stufe 11 fachlich als Experte zu unterstützen und muss für die Stufe 12 und 13 nur noch wenig Zeit für aktuellstes Praxiswissen aufbringen. Primäres Ziel der gymnasialen Oberstufe ist es auf das Studium vorzubereiten und mit diesem Konzept wird genau dieses getan. Am Ende der Jahrgangsstufe 13 muss es so sein, dass der Lehrer fast gar nicht mehr in den Lernprozess eingreift und nur noch die Ergebnisse kontrolliert.

Schwierigkeiten

Die Schwierigkeit bei der Anwendung dieser Methode ist die Notenvergabe, denn der Lehrer wird in vielen Bereichen fachlich (nicht methodisch) nicht mehr der Experte sein, so dass es schwierig wird eine rein fachliche Klausur zu schreiben. So müssen Klausuren auch nicht mehr ausschließlich fachlicher, sondern methodischer Natur sein. Dies kann sowohl eine konkrete Aufgabe zur Lösung eines Problems, als auch die theoretische Beschreibung der Methode sein. Der Wandel der Gesellschaft muss auch hier berücksichtigt werden. Den Schülern sollte aber auch klar mitgeteilt werden, dass sich die Rolle des Lehrers verändert hat. Die Probleme muss jeder Schüler selbst lösen, in welcher Weise, liegt ganz in seinem Ermessen. Er hat die Möglichkeit verschiedenen Quellen heranzuziehen, z.B. ein Buch lesen, im Internet recherchieren oder andere Schüler befragen.