4.3 Widerstände

Das Konzept des Widerstands wurde von Sigmund Freud um 1900 in der Psychologie eingeführt und diente dort als Sammelbegriff für alle Reaktionsformen des Patienten. Es gibt verschiedene Formen von Widerständen und verschiedene Methoden diese zu vermeiden. Im Gegensatz zum Therapeut-Patient-Verhältnis hat man in Organisationen nicht immer die Zeit oder das Auge für die Widerstände. Es ist jedoch wichtig die Widerstände zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.

4.3.1 Formen des Widerstands

Das Spektrum des Widerstandes geht von Ablehnung über Gleichgültigkeit bis hin zur Zustimmung. Widerstand bedeutet nicht immer Protest, es gibt zwischen den Ausprägungen verschiedene Abstufungen, wie in Abbildung 2 zu sehen ist.

Spektrum der Ablehnung, JESERICH
Spektrum der Ablehnung, JESERICH

Widerstand kann demnach verschiedenste Formen annehmen. Der stille Widerstand (Dulden, Gleichgültigkeit, Nicht Lernen) ist als Führungskraft am schwierigsten zu erkennen. Ablehnung äußert sich in Organisationen z.B. in folgenden Formen (Zitat Studienheft FOI 2, S. 34):

Es sind jedoch nicht alle Menschen von der Art, dass sie Veränderung ständig ablehnen. Der amerikanische Forscher ROGERS fand heraus, dass Teile der Bevölkerung verschieden auf Veränderungen reagieren. In seinem Diffusionsmodell (Abbildung 3) teilt er Menschen in 5 Typenbereiche auf. Möchte man eine Veränderung herbeiführen, dann ist man der Innovator und man sollte sich frühzeitig mit den frühen Adaptoren in Verbindung setzen. Diese ziehen dann die Mehrheit (erst die frühe, danach die späte) mit und die Zauderer geben irgendwann auf und nehmen die Veränderung an.

Diffusionsmodell nach ROGERS
Diffusionsmodell nach Rogers

Um die anstehenden Veränderungen, die durch das Projekt "Plüschwar" kommen werden, erfolgreich im Schulalltag einzuführen, sollte sich die Lehrkraft über diese Vorgänge im Klaren sein.

4.3.2 Vermeidung von Widerstand

Wenn man also eine Veränderung in eine Organisation einführen möchte, versucht man nicht zuerst die Zauderer zu überzeugen, sondern wendet sich an die frühen Adaptoren und mit diesen startet man dann diese Veränderung. Beim Projekt "Plüschwar" werden sicherlich einige Kollegen diese Art von Projektarbeit als Unsinn abtun. Je mehr man interessierte Personen über das Projekt informiert, desto mehr frühe Adaptoren wird man gewinnen.

Bei der Einführung des Projekts in einer Klasse sollte der Lehrer einige Schüler direkt bei den ersten Überlegungen und Planungen mit einbeziehen. Dabei ist es ungünstig mit den stillen und zurückhaltenden Schüler zu arbeiten, sondern sucht sich diejenigen Schüler heraus, die die Anführer der Gruppierungen sind (also diejenigen, die meistens unangenehm auffallen). Diese sind später auch für führende Positionen (Team und Abteilungsleiter) geeignet, das sie viele Schüler als Anführer akzeptieren. Je früher die Schüler Informationen als gleichwertige Partner bekommen (Lehrer und Schüler besprechen zusammen), desto besser wird das Projekt funktionieren.